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“Auswandererfahrungen” von uns

Immer wieder werden wir von Menschen kontaktiert, die aus Deutschland wegwollen und wissen möchten: Wie habt ihr das gemacht?

Daher haben wir jetzt einfach mal einige Informationen zusammengestellt.

In der Tat sind die Schweden sehr zuvorkommend. Unsere Kommunen haben Angestellte, die sich speziell um die Anwerbung Einwanderwilliger kümmern. Im Sommer werden an Touristen Postkarten verteilt (wollen Sie nach Vimmerby umziehen?), und man ist mit allerlei behilflich.

Generell versuchen Annette und ich ein Projekt umzusetzen. Dass wir dabei ausgewandert sind, ist ein Nebeneffekt und war nicht unser Hauptziel. Wir wollten ein sozial-ökologisches Projekt starten und haben mehrere Jahre darauf hingearbeitet. Wir haben uns in Deutschland immer wieder Objekte angesehen. Wir haben uns in verschiedene Regionen umgetan, erfolgreiche Projekte angesehen und Wohnformen ausprobiert.

Natürlich waren wir auch mit einigen Dingen in Deutschland unzufrieden. Im öffentlichen Sektor ist es als kinderloser, junger Mensch zur Zeit ziemlich unmöglich, eine langfriste Stelle zu erhalten. Und die bürokratischen Regelungen bekamen wir auch am eigenen Leib zu spüren: Als ich nach 2 Jahren harter Arbeit mit vielen Überstunden keinen neuen Job hatte, wollte ich einfach mal ausspannen und keine Unterstützung des Arbeitsamtes haben. Prompt meldete sich meine Krankenkasse und wollte über 300 Euro Beitrag pro Monat von mir. Wenn ich vom erarbeiteten Geld einfach leben wollte, muß ich zweimal Sozialabgaben bezahlen: In dem Moment wo ich es erhalte – und wenn ich es verbrauche. Sehr logisch und gerecht.

Uns sagt das schwedische Sozialsystem wesentlich besser zu als das deutsche. In Schweden ist jeder Bürger krankenversichert, es gibt oft Mindest- und Maximalbeträge (so dass niemand ganz durch die Lücken fällt, während andere fürstlich leben). Auch die eigenständige Betrachtung der Partner in einer Lebensgemeinschaft erscheint sinnvoll: Statt komplizierter Steuer- und Tarifvertragsvorteile zahlt jeder nach seinem Einkommen. Der Partner, der nichts verdient, hat ganz normal Zugang zu Sozialleistungen / Stipendien etc. Für uns lassen sich die schwedischen Regeln mit gesundem Menschenverstand nachvollziehen.
Zwischen Planung und Prozeß

Wir haben in Schweden ein altes Haus gekauft, das sehr günstig zu haben war. Wir begannen so, eine Idee reifen zu lassen – konnten aber (vor allem am Anfang) noch jederzeit zurück. Im Zweifelsfall hätten wir eben (wie so viele andere Deutsche auch) ein Ferienhaus in Schweden gehabt..

Aber für uns kam es anders: Wir fanden schnell Freunde und Kontakt zu Arbeitgebern. Die Erfahrungen, die ich vor längerer Zeit während eines Auslandssemester gesammelt hatte, erwiesen sich als sehr nützlich. Ich fand schnell einen Arbeitgeber, der nach einer Krise einen Neustart mit intensiven sozialpädagogischen Einzelmaßnahmen gewagt hat – und sich dabei stark von dem, was ich vorher in Deutschland gemacht hatte, inspirieren ließ.

Aber noch ist nicht klar, wie es weitergeht. Im Laufe der Zeit kamen wir sowohl mit anderen schwedischen Einrichtungen als auch deutschen Jugendhilfeprojekten in Kontakt. Wir hoffen, dass sich unser Projekt weiterentwickelt und sind zuversichtlich, mit der Zeit die richtigen Kontakte zu finden.
Einfach nur noch weg aus Deutschland?

Wenn wir mit auswanderungsinteressierten Menschen sprechen, kommt oft schnell viel Frustration und das Gefühl von Chancenlosigkeit in Deutschland ans Tageslicht.

Es hat aber unserer Meinung nach keinen Sinn, in einem anderen Land darauf zu hoffen, dass alles besser wird. Anders gesagt: Man kann nicht nur weg wollen. Man muß auch wohin wollen. Wer weiss, was er will und im anderen Land Perspektiven und bessere Rahmenbedingungen sieht, hat gute Chancen.

Zu testen und neue Chancen zu entdecken kann aber nie schaden. Man sollte sich dafür allerdings Zeit lassen. Und ohne Aufwand wird es letzlich nicht gehen.
Der eigene kulturelle Rucksack

In vielen Fällen sieht man hier Möglichkeiten und wundert sich, warum Schweden diese nicht wahrnehmen. Nun sollte man nicht annehmen, dass die Menschen sich irrational verhalten, sondern eher seine kulturellen Prägungen hinterfragen. Wir haben z.B. völlig überschätzt, wie abgelegen unser Hof ist.

Wir haben sehr viel auf den Preis geschaut und was wirklich Billiges gefunden. 5 km mehr oder weniger erschienen uns angesichts der Distanzen nicht viel – welche Bedeutung sie im Winter entwickeln können, merkten wir erst später.

Umgekehrt gibt es sicher viele Bereiche, wo man feststellen kann, dass die Schweden die Lücken nicht sehen, weil sie unsere Kultur nicht verstehen. Man wundert sich oft über das sehr lückenhafte Angebot schwedischer Einrichtungen an Touristen, die im Sommer die klare Mehrheit stellen. Andererseits ist es natürlich sehr schwierig, sich nur über ein Saisongeschäft zu finanzieren.

2 Responses to “Wer einen Traum verwirklichen will, muß aufwachen”

  1. Jonas sagt:

    Vielen Dank f

  2. Wirklich toll recherchiert – Kompliment!

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