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Um 1050 waren die grossen Wikingerzüge zuende. Infolge von Streitigkeiten um die Vorherrschaft unter den Stämmen gab es um 1200 zum ersten Mal ein königliches Einheitsreich. Der König wurde auf einem Ting gewählt und hatte sich dann während eines Rittes seinen Untertanen vorzustellen. Ein wachsender, relativer Wohlstand der Bevölkerung stabilisierte die neue Religion und Herrschaftsform. Bedeutende wirtschaftliche Ressourcen – z.B. die Kupfergrube in Falun – wurden erschlossen, und es kam zu einer Union mit Norwegen. 1350 wurde eine schwedische Verfassung verabschiedet, die Kirche und Adel in einem Reichsrat einbanden.

Gotland entwickelte sich zum wichtigen Knotenpunkt im Ost-West-Handel der Hanse. Diese prägte nun auch die kulturellen und politischen Vorstellungen in Schweden, so dass die in der Winkingerzeit sehr eigenständige Entwicklung europäischer wurde. Die Hanse handelte mit Waren aus aller Welt, und durch die Kaufleute waren ständig Fremde in den sich entwickelnden schwedischen Städten. Vor allem deutsche Bürger waren viel in Schweden ansässig, sodass sogar Höchstquoten für Deutsche in Stadträten festgelegt und deutsche Kirchen eingerichtet wurden. Schon damals gab es also deutlich Einflüsse der deutschen Kultur in Verwaltung und Gesellschaft, die sich heute noch beobachten lassen.

Ganz Skandinavien war damals untereinander verbunden – sowohl in einem gemeinsamen nordeuropäischen Staatenraum als auch in ständigem Krieg mit gegenseitigen Eroberungen, Rückeroberungen und Unionen mit Schweden und Dänemark als bestimmenden Mächten. Schweden nahm immer mehr eine Vormachtstellung ein und hatte im Jahr 1632 seine größte Ausdehnung in Europa erreicht, von Lappland bis in den Alpenraum (München, Augsburg!). Einige Gebiete gingen schnell wieder verloren, etwa alles jenseits der Ostsee. Andere, wie Finnland oder Norwegen, waren mehrere hundert Jahre schwedisches Hoheitsgebiet. Obwohl die Schweden die gesamte Region in nicht gerade friedlicher Weise aufrührten, haben sie die anderen skandinavischen Länder nicht vollständig assimiliert und letztlich „schwedisch“ gemacht. Auch nach Jahrhunderten erzwungenen Unionen mit Schweden haben sich Finnen oder Norweger ihre spezifische Kultur bewahrt.

Im 16. Jh. wurde Schweden „von oben“ reformiert und schloss sich der lutherischen Lehre an. Der Übergang geschah ohne Krieg und Bildersturm, allerdings wurden ab 1617 Katholiken nicht mehr im Land geduldet. Die Kirche wurde Staatskirche – und blieb es auch bis heute. Das kann immer mal wieder zu Loyalitätskonflikten führen – neulich stand bei uns in der Zeitung, dass eine Kirchengemeinde der schwedischen Kirche sich geweigert hat, ein nicht-schwedisches Flüchtlingskind zu konfirmieren, weil sie sich nicht vorstellen konnten, wie das bitte vonstatten zu gehen hat.

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